Über mich und unseren gemeinsamen Weg


Mein Name ist Dr. iur. Manuela Schmidt.

Nach langjähriger Tätigkeit als Richterin und als juristische Autorin fand ich meine wahre Berufung - meine Seelenaufgabe - in der Pflege meiner lieben Mutter.


Nach ersten Anzeichen im Jahr 2017 - die ich erst im Nachhinein richtig deuten konnte - kam ihre Demenzerkrankung im Frühjahr 2018 zum Durchbruch und schritt seitdem kontinierlich fort. Hinzu kamen zahlreiche erhebliche chronische körperliche Beschwerden und eine erhebliche Sehbehinderung. Zuletzt war sie auf den Rollstuhl angewiesen und geistig sowie körperlich vollkommen hilflos.

Sowohl der allerhöchste Pflegegrad (Pflegegrad 5) als auch eine Schwerbehinderung zu 100% (Merkmale G, aG, B und H) waren für lange Zeit anerkannt.


(Das Foto links entstand im Oktober 2022 = im 5. Jahr der Pflege.)

Die Pflege meiner Mama war die größte Herausforderung, aber auch die schönste und wichtigste Aufgabe meines Lebens.

Die Pflege war meine Seelenaufgabe


Ich habe meine Mama insgesamt fast 6 Jahre lang allein zu Hause gepflegt und hierfür sogar meine Berufstätigkeit aufgegeben. 

Der Pflegeaufwand nahm kontinuierlich zu, und es war weit mehr als eine Vollzeittätigkeit. 

Doch es war die schönste und wichtigste Aufgabe meines Lebens - und zugleich die größte Herausforderung. Im Laufe der Zeit wuchs ich mehr und mehr über mich hinaus - getragen von meiner Spiritualität. Ich habe diese Aufgabe allein bewältigt; einen Pflegedienst wollten wir nicht. Wir haben neben den Herausforderungen auch viele schöne gemeinsame Momente erlebt - was mir stets ein wichtiges Anliegen war.

Meine Mutter starb am 24. November 2023 (6 Tage nach ihrem 83. Geburtstag) - zu Hause und in meiner Anwesenheit, nachdem ich sie mehrere Tage lang in den Tod begleitet hatte. Es bedeutet mir viel, dass ich bis zum Schluss für sie da war - eben so lange, wie sie mich brauchte. Dieses Ziel erreicht zu haben, ist für mich der größte und wichtigste Erfolg meines Lebens.

Sie war ein wunderbarer Mensch und der Mittelpunkt unserer Familie. Das bedingungslose Geben war ihr Lebenselixier. Sie hat es mir vorgelebt. Mit der Pflege habe ich ihr einen kleinen Teil dessen zurückgegeben, was sie für uns getan hatte.


Ich lebe in Merzig im Saarland/Deutschland - nahe der Grenze zu Frankreich und Luxemburg.

(Das Foto stammt aus dem September 2021 = im 4. Jahr der Pflege, aufgenommen an einem Ort, der uns viel bedeutete.)

Es bedeutet mir viel, dass ich es geschafft habe, bis zu ihrem Tod für meine Mama da zu sein - eben so lange, wie sie mich brauchte. Das ist der größte und wichtigste persönliche Erfolg meines Lebens.

Die Liebe ist der Schlüssel

Verwackelt und doch zugleich das allerwichtigste Foto: 

Meine Mama freute sich so darüber, dass ich ihr zu ihrem 82. Geburtstag gratulierte, dass sie mich spontan umarmte - ein ganz wichtiger Moment für mich.

Das war am 18. November 2022 - einem Zeitpunkt, zu dem ich sie bereits mehrere Jahre pflegte und der Pflegeaufwand bereits enorm hoch war. Sie wusste nicht mehr, dass ich ihre Tochter bin. Meinen Namen hatte sie schon seit Jahren nicht mehr ausgesprochen. In ihren Augen war ich ein anderes Familienmitglied, wahrscheinlich eine ihrer Cousinen; ganz genau habe ich es nie herausgefunden.

Was aber wichtig war: Sie wusste stets, dass wir zusammengehören.


Als wir diesen schönen Moment erlebten - der hier stellvertretend für ganz viele schöne Momente steht - ahnte ich noch nicht, dass uns nur noch 1 Jahr und 6 gemeinsame Tage verbleiben würden und dass eine ganz schwere Zeit vor uns liegen würde.


Lass Dich von diesem Foto inspirieren, die bedingungslose Liebe und die Dankbarkeit zur Grundlage Deiner Pflegetätigkeit zu machen. In meinem Buch erkläre ich Dir, wie es geht!

(Foto vom 18. November 2022 = im 5. Jahr der Pflege)

Die Dankbarkeit war für mich eine ganz wichtige Motivation für die Pflege: Es ging darum, meiner Mama etwas zurückzugeben - dafür, dass sie stets für alle da war!

Die Pflege meistern mit der  besten Version meiner selbst

Im Laufe der Zeit verschlechterte sich die Pflegesituation mehr und mehr. 

Die Demenz schritt kontinuierlich voran. Die körperlichen Beschwerden nahmen zu und ein allgemeiner Kräfteverfall setzte ein. All das brachte es mich sich, dass der Pflegeaufwand immer mehr zunahm.

In dem Umfang, in dem die Pflegetätigkeit zunahm, war ich gefordert, die beste Version meiner selbst zu werden.  Das gelang mir, weil ich in der Pflege meine Berufung und Seelenaufgabe gefunden hatte.


Bilder unseres gemeinsamen Weges

Weil Bilder mehr als 1.000 Worte sagen, zeige ich Dir im Folgenden einige Bilder unseres gemeinsamen Weges.

Meine Mama glücklich zu machen, war mir stets ein besonderes Anliegen. 

Dafür war ich bereit, immer und immer wieder über mich hinauszuwachsen. 


Das Gestalten unseres Lebens ging einher mit der Pflegetätigkeit (Hilfestellung, wann immer es erforderlich ist), der Organisation unseres Alltags (Einkaufen, komplette Haushaltsführung einschließlich des erhöhten Aufwandes durch die Pflege, Kochen, Gartenarbeit usw.) und den Büroangelegenheiten (z.B. Korrespondenz führen als rechtliche Vertreterin). 

Bitte hab Verständnis dafür, dass ich hier nur die schönsten Bilder von meiner Mama zeige; alles andere wäre ihr gegenüber unfair. 

Jedem Moment, der sie auf diesen Bildern glücklich zeigte, ging mein Wirken voraus. 

Das geschah nicht einfach war. Das wurde möglich, weil ich meine Lebensaufgabe darin sah, sie glücklich zu machen, und all meine Energie auf dieses Ziel ausrichtete.

Ich schenkte ihr meine Zeit, um sie glücklich zu machen.




Wir haben viele schöne Momente im Garten verbracht.

Hier war Raum für kleine Spaziergänge, wie auf dem Foto zu sehen, aber auch zum Essen und Ruhen.

Meine Mutter liebte den Garten über alles. Wir haben oft gemeinsam die schönen Blumen angeschaut.

Die Gartenarbeit habe ich übernommen. Doch ich habe sie mit eingebunden, indem ich ihr davon erzählt habe und sie zuschauen ließ.

Um sie nochmals mit Rollstuhl in den Garten zu bringen, habe ich mit Steinen einen Rollstuhlweg ums Haus herum angelegt. An den letzten schönen Tagen im Oktober 2023 gelang es, sie mit dem Rollstuhl über den - noch gar nicht ganz fertigen Weg -  in den Garten zu bringen. Ein lieber Nachbar war im richtigen Moment zur Stelle, um mir zu helfen.

Sie hatte es registriert; das habe ich gespürt.

Es war noch rechtzeitig.


(Foto aus August 2020)

Die Musik spielte eine wichtige Rolle iin unserem Leben.

Meine Mama war eine sehr gute Klavierspielerin und liebte Musik über alles. Ich habe ihr immer voller Bewunderung zugehört.


Wenn ich für sie spielte oder wir eine CD hörten oder ein Konzert im Fernsehen schauten, war sie stets aufmerksam dabei und glücklich.


Ich habe bis zuletzt für sie gespielt. Es gibt sogar eine Melodie, die ich für sie auswählte - ein Lied, nur für sie!

Eine besonders große Herausforderung war es, einen Weg zu finden, mit dem chronischen Durchfall umzugehen, der schulmedizinisch austherapiert war. 

Es war eine Diät einzuhalten. Diese brachte eine gewisse Linderung, mehr jedoch nicht.

Einfach mal irgendwas essen, war stets riskant. Ich habe lange und intensiv beobachtet und recherchiert, um herauszufinden, was ihr Körper am besten verträgt.

Der Umgang mit dem Durchfall war eine anspruchsvolle Herausforderung.


Die Verwendung von Schnabeltassen habe ich nach Möglichkeit versucht zu vermeiden; lieber habe ich ihr beim Trinken geholfen. Das war mir die Zeit wert. Doch irgendwann haben wir sie dann doch gebraucht ... und irgendwann dann auch nicht mehr ...

Eigentlich waren wir zu dritt

Seit Beginn der Demenz ging meine Mama durchgängig davon aus, dass ihr Bruder Joachim bei uns ist. Für ihn hat sie gekocht und den Tisch gedeckt oder auf ihn gewartet. In ihren Gedanken war er durchgängig präsent.

Auch wenn ich ihn sehr mochte, war es eine enorme Herausforderung für mich, damit meinen Frieden zu machen. Denn er war bereits 2001 verstorben. Mein Verstand ging massiv auf die Barrikaden. Ich brauchte vertiefte spirituelle Kenntnisse, um meinen Frieden damit zu machen.

Sein Name gehörte zu den letzten Worte, die sie noch sprach - lange, nachdem sie meinen Namen zum letzten Mal ausgesprochen hatte.


Ich habe mich entschieden, ihn hier unsichtbar zu lassen. Das repräsentiert besser unsere Situation.


Meine Mama liebte Blumen.

Diese Clivia auf dem Foto lag ihr besonders am Herzen; sie war ein Hochzeitsgeschenk und ist weit über 50 Jahre alt.

Mit meiner Hilfe haben wir diese und weitere Blumen gemeinsam gegosssen und auch mal umgetopft. Auch haben wir gemeinsam notiert, in welchem Monat sie geblüht hat - so wie meine Mama es früher immer gemacht hat. Den Zettel siehst Du rechts auf dem Foto.

Mein Wirken ermöglichte ihr, das, was sie liebte, weiter auszuleben.

Auch hierbei entstanden viele schöne Momente, die nicht selbstverständlich sind.


Heute hüte ich diese und alle weiteren Blumen. In meinen Augen sind es immer noch ihre Blumen...

Mir war es immer wichtig, auch gemeinsam mit meiner Mama das Haus zu verlassen. Wir waren zum Beispiel gemeinsam einkaufen, gemeinsam Eis essen, gemeinsam in die Apotheke, gemeinsam spazieren usw.  - eben das, was Teil unseres früheren Lebens war.


Gemeinsam zu verreisen war jedes Mal eine besonders schöne Zeit.

Für mich war es stets klar, dass wir gemeinsam fahren. Allein zu verreisen und sie gleichzeitig anderweitig pflegen zu lassen, kam für mich niemals in Frage.

Das Foto entstand in Norddeich an der Nordsee, einem Ort, wo wir viele Jahre Urlaub gemacht hatten. Meine Mama verstand es trotz hochgradiger Demenz, dass wir dort waren.

Um eine solche Fahrt trotz Schwerbehinderung und hoher Pflegebedürftigkeit zu wagen, braucht es viel Mut und vor allem eine minutiöse Vorbereitung. Die Fahrt war auch nur möglich, weil meine Mama damals gerade noch so in der Lage war, mit meiner Hilfe in ein normales Auto einzusteigen. Mit dem Rollstuhlauto, das Du weiter unten noch sehen wirst, hätte ich diese Fahrt nicht mehr gewagt.

Als wir dort waren, ahnte ich nicht, dass diese Fahrt ihr ermöglichte, sich vom Meer zu verabschieden. Den Traum, nochmal dorthin zu fahren, konnten wir nicht mehr verwirklichen. Denn es folgte eine ganz schwere Zeit mit enormen Herausforderungen, die den ohnehin schon hohen Pflegeaufwand nochmals um ein Vielfaches erhöhte.

Auf diesem Foto siehst Du eine kleine Auswahl der zahlreichen Hilfsmittel, die uns gute Dienste leisteten.

Der Haltegurt (in rot) steht hier symbolisch für die Notwendigkeit, alle meine Kräfte zu mobilisieren, um meine Mama nach einem Sturz wieder vom Boden aufzuheben - auch wenn sie in etwa so schwer war, wie ich selbst.

Der Duschstuhl - der uns lange Zeit beim Duschen sehr geholfen hat - steht hier stellvertretend für mehrere Hilfsmittel, deren Zweck sich irgendwann erledigt hatte, weil die Pflegesituation sich weiter verschlechtert hatte - eine sehr schmerzhafte Erfahrung. Das gilt auch für den Haltegurt; er wurde durch den Lifter abgelöst, dessen Foto Du weiter rechts sehen kannst.

Das Lagerungskissen (in blau) kam erst spät hinzu; es half, die richtige Körperposition im Bett zu finden und zu halten, als es allein nicht mehr ging.



Dieses Rollstuhlauto ermöglichte uns etwas ganz Wertvolles: die Freiheit, das Haus verlassen zu können.

Angesichts des schlechten gesundheitlichen Zustandes meiner Mama gelangen uns nur noch ein paar kurze Fahrten und auch nur in der näheren Umgebung.

Insbesondere ein See im Nachbarort wurde zu einem Kraftort für uns. Dort mal eine halbe Stunde am Wasser zu sein, gab meiner Mama ganz viel Kraft in einer ganz schweren Zeit, die von einem ganz starken und rasanten Kräfteverfall und - damit einhergehend - von einer nochmaligen Erhöhung des ohnehin schon hohen Pflegeaufwands gekennzeichnet war. Auch mir gab es ganz viel Kraft.

(Foto aus 2023, aufgenommen auf unserer letzten gemeinsamen Fahrt)

(Heute macht dieses Auto eine andere Familie glücklich.)

Dieser Lifter symbolisiert das enorme Ausmaß an Pflegebedürftigkeit in den letzten Monaten vor ihrem Tod, als zu der - weit fortgeschrittenen - Demenz auch noch ein rasanter körperlicher Verfall hinzukam.

Der Lifter war enorm wichtig, denn ich hatte nicht die Kraft, um meine Mama dauerhaft zu heben.

Es war für mich jedes Mal enorm aufwühlend, den Lifter zu bedienen - Gefühle, die schwer in Worte zu beschreiben sind. Stets musste ich all meine mentale Kraft sammeln, ehe ich mit dem Hochheben begann. Daran änderte auch eine gewisse Routine nichts.


Bitte hab Verständnis dafür, dass ich aus der letzten schweren Zeit keine Fotos von meiner Mama poste. Es wäre ihr gegenüber nicht fair, sie in diesem desolaten Zustand zu zeigen.

Lass Dich von mir inspirieren!